Joh. Wilhelm Spaeth aus Ismannsdorf

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Techniker, Erfinder und Gründer der 1. Bayer. Maschinenfabrik

Joh. Wilhelm Spaeth wurde am 14. Juni 1786 in der Ismannsdorfer Mühle geboren. Er war ein wissbegieriger Schüler. So, wie er es von seinen Lehrlingen erwartete, hat er wohl am Feierabend, sowie Sonn- und Feiertagen „gute und nützliche Bücher“ gelesen und so sich zusätzlich großes Wissen angeeignet. Er lernte wie sein zwei Jahre jüngerer Bruder Michael bei dem Vater das Müllerhandwerk.

Mit 14 Jahren ging er als Müllerbursche nach Nürnberg in die Pfannenmühle und drei Jahre später als Werkführer in die Rohresmühle nach Schwabach. Eine 7-jährige Wanderschaft führte ihn nach Preußen und einen Teil von Schlesien. In den Hansestädten lernte er viele industrielle Neuerungen kennen, vor allem neueste Techniken aus dem fortschrittlichen England, die in Deutschland im Maschinenbau eingeführt wurden. Er legte sich eine Bibliothek mit Fachbüchern zu, die er alle studierte, auch die, welche in englisch geschrieben waren.

Nach der Walz wollte sich Wilhelm Spaeth in Nürnberg als Mühlarzt oder Mechanikus niederlassen. Doch die dortigen Müller und anderen Handwerker wehrten sich dagegen. Einige Bemühungen in Nürnberg das Bürgerrecht zu erlangen scheiterten. Erst als er sich, wie seine Verlobte als „Kramkäufel“ bewarb, wurde ihm 1815 die Bürgerschaft gewährt. Als Hochzeitsgeschenk konstruierte Spaeth seiner Frau Schienen, auf denen sie jeden Morgen ihren Laden auf die Straße fahren konnte.

1820 wurde ihm die Leitung der mechanischen Werkstatt einer Tuchfabrik in Wöhrd angetragen. Er entwickelte etwa 100 dazugehörige Maschinen, sodass erstmals alles Tuch bis zur Fertigstellung in einer Fabrik entstehen konnte. 2 Jahre später führte Spaeth bereits als Mechanikus ein selbständiges Unternehmen mit 21 Arbeitern. Bald wurde auf Grund der guten Auftragslage der Betrieb zu klein.

In diesen Jahren war für den gelernten Müller die wichtigste Aufgabe der Umbau der alten Tamel Mühle am Dutzendteich. (Er hatte sie gemeinsam mit seinem Bruder gekauft.) Gebaut nach englisch – amerikanischem System entstand hier die erste Kunstmühle Süddeutschlands. Das war eine kleinindustrielle, turbinenbetriebene Mühle mit Walzen statt Mühlsteinen. Der Bau zahlreicher solcher Mühlen war Spaeth ein großes Anliegen.
Beide Brüder kauften 1825 die Mahlmühle und das Hammerwerk am Dutzendteich und teilten sich die Immobilie. Michael machte aus seinem Teil eine Gipsmühle, Wilhelm aus dem anderen Teil die erste Maschinenbaufabrik Bayerns. Inzwischen beschäftigte er 50 Arbeiter. Massenproduktionen lagen ihm fern, deshalb wuchs seine Firma nicht so schnell, wie später als sein Schwiegersohn die Erfindungen in Serie gehen ließ.

Eines seiner bekanntesten Werke war der Bau der Ludwigseisenbahn. Die Lokomotive, die wir als Adler im Nürnberger Verkehrsmuseum noch bzw. wieder bewundern können, wurde in 100 Einzelteilen aus England geliefert. In nur 14 Tagen setzte er mit zwei Mitarbeitern die Maschine zusammen. Fehlende Einzelteile wurden vor Ort angefertigt. Die Probefahrt nach Fürth am 16. November 1835 machte auf die zahlreichen Zuschauer einen großen Eindruck.

Wichtiger als die Ludwigseisenbahn war in diesem Jahr die Einrichtung der leonischen Drahtfabrik. (Leonische Drähte nannte man z. B. die mit Gold- oder Silberfäden umsponnenen Drähte.) Hier konstruierte Spaeth völlig neuartige mechanische Ziehtische, Plätt- und Spinnmühlen. Uns ist als Produkt dieser Maschinen das Lametta für die Christbäume bekannt.

Zehn Jahre lang von 1836 – bis 1846 beschäftigte er sich mit dem Bau des Ludwigkanals. Nicht nur Schöpfräder und Wasserschnecken, wie sie heute noch z. B. in Kläranlagen Verwendung finden, konstruierte er. Er übernahm auch einen Kanalbauabschnitt bei Dörlbach, wo der Kanal durch harten Kalk fast 16 m in den Boden getrieben werden musste. Um die Abraummassen in die Höhe zu befördern, konstruierte er die erste Baggermaschine, einen Dampfbagger, der sich aber nur vorwärts bewegen ließ.

1842 erhielt Wilhelm Spaeth die Konzession für eine eigene Eisengießerei. Nun konnte er für die Landwirtschaft und Industrie arbeitssparende Werke herstellen, wie Mühlen, Steinbohrmaschinen, Schienenbiegmaschinen, Hobel- und Sägemaschinen.

Mit einem Freund besuchte er 1851 die Weltausstellung in London und 1854 die allgemeine deutsche Industrieausstellung in München, die er entsprechen bestückte. Dort erhielt er für seine Erfindungen zwei Ehrungen, die er aber nicht mehr erleben sollte. Er steckte sich nämlich bei der Ausstellung in München an Cholera an und starb als erstes Opfer dieser Epidemie am 10. August 1854 kaum, dass er wieder in Nürnberg angekommen war.

Wilhelm Spaeth hinterließ seinem Schwiegersohn Joh. Falk in seinen einzelnen Werken etwa 60 Maschinen, in seiner Gießerei 5 Öfen und eine Trockenbrennerei. Auf die Einzelnen Werkstätten waren 12 Kräne verteilt, die durch eine Gleisanlage verbunden waren. Die Zahl von 140 Arbeitern, die er beschäftigt hatte, wuchs unter Falk rasch zu 400 Mitarbeitern an.

Quellen: Spaeth-Falk-Hammerbacher Stiftung, Trott Nov. 2002; Deutsche Industrie und Kunst, Eckensteiner
Biographischer Vlg. BlnW., Jg VII Nr. 1 (nach 1906)


Marlene Townson